Die Flaggschiffe
Videoinstallation - In Negativfarben gedruckten Fahnen der G8 Staaten - 2012

„Is it a flag or is it a painting?“ (Alan R. Solomon)

Saeed Foroghi (*1977 in Kerman/Iran) hat an acht Tagen vor dem KIT die in Negativfarben gedruckten Fahnen der G8-Staaten gehisst und den Mast über sieben Stunden lang mit einer fest installierten Kamera aus der Vogelperspektive aufgenommen. Diese Videos zeigen den Fahnenmast und die Umgebungssituation mit vorbei flanierenden Passanten: Auf acht Bildschirmen sind sie während der schau im KIT zu sehen. Am Mannesmannufer bleibt während der Ausstellungslaufzeit die USA-Flagge gehisst. Indem Foroghi die Projektionen auf den Bildschirmen in Negativtechnik zeigt, sind die Fahnen in ihrer ursprünglichen Farbigkeit zu erkennen, die von der Kamera gefilmten Menschen sind in einer Tonwertumkehr zu sehen. Die doppelte Verfremdung – im Außenbereich des Museums und dann in der Ausstellung selbst auf den Bildschirmen – verstärkt den Eindruck von mit Überwachungskameras aufgenommenen Projektionen.
Die Arbeit spielt so auf mehreren Ebenen mit unseren Seherwartungen, macht visuelle Brüche sichtbar und greift zugleich Vorstellungen kollektiver Identität auf. Saeed Foroghi setzt sich in einer größeren Studie auch malerisch mit den Länderflaggen der Welt auseinander. Das erinnert an die „Flag“-Bilderserie Jasper Johns, die dieser im Jahr 1954 begann. Foroghi schreibt sich mit seiner Fahnen-Installation in diese kunsthistorische Traditionslinie ein. Führt man sich das berühmt gewordene Statement des amerikanischen Kunstkritikers Alan R. Solomon „Is it a flag or is it a painting?“ vor Augen, das auf die Doppeldeutigkeit von Vorbild und Abbild bei Johns abzielt, wird gewahr, dass auch Foroghi mit diesen Ambivalenzen arbeitet: Die Fahne, Symbol von Identität und Markierung von Zugehörigkeit, befragt er in seiner Installation im KIT auf ihre bildmächtige Wirkung, eine zunehmend fragile, gar beschädigte Authentizität in einer globalisierten Welt zu vermitteln.

Text vom: Gwendolin Felicitas Kremer