we scream for ice cream

Die Jury würdigt die Gesamtinstallation „we scream for ice cream“ von Saeed Foroghi mit dem Preis des Freundeskreises, weil sie emotional auf besondere Weise berührt und zugleich künstlerisch überzeugt. Ohne die persönliche Geschichte des Künstlers genauer zu kennen, vermitteln sich dem Betrachter bildnerisch und erzählerisch die verschiedensten Anknüp-fungspunkte, die auf die Erfahrungen von Gewalt, Zerstörung und Tod verweisen. Zentra-les wiederkehrendes Element ist die Spielkarte des Herzbuben, der mit Waffe und Helm ausgestattet ist. Diese Figur, die Pathos und Militanz verkörpert, wird in unterschiedlichen Materialien abgeformt, deformiert und in einem Prozess der Auflösung gezeigt, der sich auch auf dem Boden ausbreitet. Hierbei beeindruckt Foroghis besonderes Gespür im Umgang mit Materialität, deren narratives und haptisches Potential er sensibel auslotet.
Im Gesamtarran-gement knüpft er an den Topos des Künstlerateliers an - eine Malerpalette liegt auf dem Tisch, zwei Frauenporträts stehen auf dem Boden und werden rechts von einem großen, ganzfigu-rigen Männerporträt flankiert. Die Konturen dieser Bilder finden sich auf der blutrot gestri-chenen Wand vor dem Raum wieder, auf der die Zeichnung eines Kleinkindes hängt - ein Selbstporträt des Künstlers. Mit dieser Zweiteilung der Installation spielt Saeed Foroghi auf seine Zugehörigkeit zu zwei Kulturkreisen an, einen, in dem er geboren und aufgewachsen ist – dem Iran - und einen, in dem er sich künstlerisch zugehörig fühlt. Beide trennt mehr, als nur unterschiedliche Vorstellungen von dem, was Kunst ist. Im Zusammenspiel aller Elemente gelingt es Saeed Foroghi, die politischen Implikationen der eigenen Lebensgeschichte aufzuzeigen und in ein bildmächtiges Ensemble zu überführen.

Text: Dr. Jule Reuter