MAKE MORE /// The WE Family

Projekt im öffentlichen Raum zu 48h Neukölln gemeinsam mit Thilo Droste

Im Innenhof der Passage Neukölln/Berlin, einem starkfrequentierten Durchgangsweg und deren Eingängen wird ein fiktiver Architekturwettbewerb präsentiert, der zum Ziel die Neu- und Umgestaltung der Passage vorgibt. Gezeigt werden dabei sowohl die angeblich sechs bestplatzierten Entwürfe, als auch der Gewinnerbeitrag, der vor Ort mit Umzugskisten räumlich simuliert wird, indem die beiden Zugänge der Passage durch zwei zueinander versetzt gestellte Wände optisch geschlossen werden.

Alle Beiträge der verschiedenen Architekturbüros sind als künstlerische Arbeit von Saeed Foroghi und Thilo Droste erdacht und wurden von ihnen visualisiert. Damit erfolgt eine ebenso humorvolle wie kritische Auseinandersetzung mit den Themenfeldern Städteplanung, Gentrifizierung und Verdrängung, von denen immer mehr Neuköllner*innen betroffen sind. Zum Abschluß des Projektes werden die Umzugskartons verschenkt.

DAS PROJEKT
Das Projekt WE FAMILY wurde im Rahmen der städtebaulichen Exzellenzbildungsmaßnahme MAKE MORE initiiert und wird unter der Schirmherrschaft des Papstes und in Regie des internationalen Consortiums Rogue Wave realisiert. Die Passage Neukölln in Berlin, ist damit Teil einer exklusiven Gruppe von weltweit sieben Standorten -einer auf jedem Kontinent- die gemeinsam die WE FAMILY bilden.

ZIEL / VISION
Die WE FAMILY will verkrustete, überholte städtische Strukturen aufbrechen und durch Revitalisierung und Modernisierung die jeweiligen Standorte der virtuellen Realität des 21. Jahrhunderts anpassen. Unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und önolgischer Aspekte steht die WE FAMILY für Verantwortung, Geschlossenheit und Solidarität ihren Mitgliedern gegenüber. Die WE FAMILY vereint das Beste aus Lokalem & Internationalem, Tradition & Innovation, Sicherheit & Freiheit - eine Familie zum Leben!

DER WETTBEWERB
Unter 738 Bewerbern konnte die Passage Berlin Neukölln überzeugen und sich als ein Standort der weltweiten WE FAMILY qualifizieren. Im weiteren Verfahren wurden international anerkannte Architekten, Stadtplaner und Projektentwickler eingeladen, ihre Visionen für den Standort Passage zu visualisieren. Unter diesen Einreichungen wurden die sechs überzeugendsten prämiert, der Gewinnerentwurf wird in einem dreiphasigem Verfahren bis 2020 realisiert. Um interessierte Bürger*innen über die Ergebnisse des Projektes und seine Weiterentwicklung zu informieren, wurde anlässlich des Kunstfestivals 48h Neukölln die Ausstellung Familienaufstellung konzipiert, die alle prämierten Beiträge zeigt.
Machen Sie sich ein Bild davon, wie die WE FAMILY ihre Stadt attraktiver und lebenswerter macht!

VACUUM MUSEUM
BÜRO BILDRAUM & PARTNER / MÜNCHEN
Der Entwurf überzeugte die Jury besonders durch seinen innovativen Ansatz, der wissenschaftliche, ökonomische, archäologische und gesundheitspolitische Aspekte auf visionäre Art und Weise über einen langen Zeitraum zu denken vermag.
Wie in der Simulation vor Ort ersichtlich, schlägt der Siegerentwurf VACUUM MUSEUM vor, die Zugänge der Passage dauerhaft vollständig zu verschliessen. Mittels im hydroforming Verfahren gefertigter hochfester Elemente, wird der Innenraum so luftdicht abgeriegelt und ist einzig durch Schleusenzugänge zu betreten. Durch die große Turbinenanlage, die im gesamten ehemaligen Erdgeschoss installiert wird und ein ausgeklügeltes System zur Steuerung von Luftströmen kann im unteren Hofbereich ein nahezu ideales Vakuum geschaffen werden, durch dessen steriles Mikroklima die Umgebung dauerhaft konserviert werden kann.
Kein Mensch oder anderes Lebewesen wird den Hof für die zunächst auf 200 Jahre begrenzte Dauer des Experimentes betreten. Das spektakuläre Gewölbe-Glasdach funktioniert durch die Verwendung von smart materials als Mikroskop, durch das sich der Vorgang beobachten und überwachen läßt. In den Etagen um den Hof herum werden verschiedene wissenschaftliche Forschungseinrichtungen und start-ups aus dem Bereich coming of age archaeology angesiedelt.
Einerseits können so essentielle Erkenntnisse zum Leben im Alltag gewonnen werden, andererseits wird für zukünftige Generationen ein Denkmal analoger Zeit geschaffen, dass der Stadt als einzigartige Touristenattraktion dienen wird.

KAABAKUBUS / INSIDE OUT
BÜRO SCHROEDER GERING / RHEYDT
Die Passage liegt genau in der geographischen Mitte Neuköllns, das wiederum das Zentrum der muslimischen Gemeinde Berlins darstellt. Daraus resultierend sieht der Entwurf INSIDE OUT des Büros Schroeder Gering ein konsequent innovatives Konzept vor:
Die Gebäude um den Hof der Passage dienen als Gussform um eine Positivform des Innenraumes herzustellen. Die Maße entsprechen proportional denen der Kaaba in Mekka. Der Vorschlag sieht vor, die durch das Ausgießen der Passage entstandene Kubusform nach deren Entschalung durch den Abbruch der umstehenden Gebäude auf der Freifläche des Flughafen Tempelhof dauerhaft zu installieren.
Durch die Zusammenarbeit mit DITIB und weiteren Instanzen der muslimischen Glaubensgemeinschaft ist theologisch gewährleistet, auf diesem Weg eine 2. Pilgerstätte zu kreieren, die für zahlreiche Gläubige wesentlich leichter zu erreichen ist, als deren Zwilling / Vorbild. Teile des ehemaligen Flughafens Tempelhof werden für Pilgerreisende wieder geöffnet- Berlin gewinnt eine neue Attraktion, die für ein geschätztes Mehraufkommen an 1,5 Mio Besucher*innen jährlich mit durchschnittlich drei Übernachtungen sorgen werden.

DER POOL
BÜRO AZULEJO / LISSABON
Ein innovativer Vorschlag, der ein besonderes Augenmerk auf das easy-going feeling Berlins legt.
Der bisher wenig genutzte Innenraum der Passage wird überdacht und als Behältnis für eine Wohlfühl Oase weitergedacht. Im ehemaligen Kellerbereich ensteht eine weitläufige, moderne Spa- und Saunalandschaft. Darüber lädt ein grosszügiges Schwimmbecken mit innovativer Strömungstechnik zum after work fitness ein.
Als besonderes Highlight wird das Becken mit original Spreewasser gespeist, das gefiltert und beheizt für den authentischen Berliner Badespaß sorgt. An den Fassaden angebrachte relaxing zones schaffen individuelle Rückzugsräume und können gleichzeitig Sprungbretter ins volle Leben sein.

ARTIST ZOO
BÜRO FRANCO THUIS / AMSTERDAM
Das Büro Franco Thuis aus Amsterdam schlägt eine interessante wirtschaftliche Neuausrichtung des kreativen, künstlerischen Sektors in Berlin vor: Nach statischen Erhebungen leben rund 10.000 Künstler*innen in Berlin, Tendenz steigend. Rund 95% davon benötigen, neben Wohn- noch zusätzlichen Arbeitsraum. Doch nur max. 3% erwirtschaften mit ihrer Kunst ihren Lebensunterhalt oder einen wirtschaftlichen Mehrwert für die Stadt. Angesichts des knappen Angebotes auf dem angespannten Wohnungsmarkt muss es ein Ziel sein, dringend benötigten Raum der Bevölkerung zur Nutzung zu zuführen.Das Konzept von Franco Thuis ist von bestechender Konsequenz: durch die Rückführung unsinnig genutzter Atelierräume in den Wohnungsmarkt können mit einem Schlag 7500 Wohnungen gewonnen werden. Die Streichung der Förderung subventionierter Arbeitsräume für Künstler*innen setzt weitere 1500 Räume sowie finanzielle Ressourcen in Höhe von 1,7 Mio Euro pro Jahr frei. Die dadurch prognostizierte Senkung der künstlerischen Produktion nicht nachgefragter Werke wird einen Ausdünnungs- und Konzentrationseffekt der freien Szene bewirken, der weitere Ressourcen frei setzt. Um dem attraktiven Label Kreativstadt Rechnung zu tragen wird in der Passage ein Kunst- und Kreativzentrum mit 100 repräsentativen Studios eingerichtet. Durch die Offene, verglaste Gestaltung der Fassade und der Guggenheim`schen Treppenrotunde ist es Besuchern möglich, die Arbeit der Künstler unmittelbar im Entstehungsprozess mitzuverfolgen. Durch die Konzentration auf nur einen Ort und ausgewählte Protagonist*innen der Berufsgruppe wird einer Zersplitterung des Stadtraums entgegengewirkt, dem kunstinteressiertem Publikum wird durch einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Penthousedach der Besuch erleichtert und der Stadt und ihren Bewohner*innen Freiraum geschenkt.

HAIR & HISTORY
ARCHITEKTURBÜRO NUEVA OLA / BARCELONA
Der Entwurf überzeugt durch die Inklusion atavistischer und digitaler Lebensrealitäten und des kulturübergeifenden Ansatzes wegen. War früher der Friseursalon ein informeller Knotenpunkt des sozialen Austausches von gesellschaftlichen Informationen, in dem Neuigkeiten, Geheimnisse und Gerüchte geteilt wurden, verlagern sich diese Aktivitäten zunehmend ins Digitale. Was bleibt, ist der Haarwuchs, dem Mann, Frau oder TransInterQueer Herr*in werden muss. Hier treffen speziell in Berlin Neukölln zwei Phänomene aufeinander: Die arabische, orientalische Kultur der gepflegten Bartträger*innen und die neuere Form des sogenannten Hipsterbartes. Darauf bezieht sich der Entwurf HAIR & HISTORY des Architekturstudios Nueva Ola aus Barcelona. Beide Kulturen begegnen sich hier in einer surrealistisch anmutenden Umgebung, die geschichtliche Bezüge zur Teilung Berlins ebenso herstellt, wie phantastische Elemente wie behaarte Fassaden und Dächer zu einer Erlebniswelt verschmelzen lässt. Originalelemente der Berliner Mauer finden sich im Raumkonzept als mobile Wände und Sitzgelegenheit wieder, sodass in loungiger Atmosphäre Geschichte erlebbar gemacht wird. Durch den niedrigschwelligen Zugang des kosmetischen Angebotes reißt das Konzept Mauern nieder und baut Brücken.

KOSMOTRENDS PLANET
ARCHITEKTURBÜRO FORME DE PENSÉE / PARIS
Der Vorschlag KOSMOTRENDS PLANET des Pariser Büros forme de pensée lässt ein wissenschaftlich-spirituelles Zentrum in der Passage Neukölln entstehen. Die Formgebung und Proportionen des Baukörpers basieren auf der Übertragung der Symbole der drei größten Religionsgemeinschaften Berlins, die sich wiederum als Sternzeichen am Firmament finden. Himmlische Architektur auf Erden, die jedem ein Dach bietet. Weithin sichtbar in das Stadtbild hineinwirkend bildet ein Kosmoskop das Herzstück des multisensorischen Observatoriums. Die hochmoderne Anlage kann kleinste physikalische und psychische Schwingungen ihrer Umwelt registrieren. Die Besonderheit der Maschine ist es, ihren Blick nicht nur auf die (natürliche) Umwelt - etwa zu den Sternen oder ins Erdreich richten zu können, sondern auch ins Innere der Stadt und ihrer Bewohner*innen. Dieser ganzheitliche Überblick, unterstützt durch die Ansiedlung von Auslandsbüros der ESA und NSA ermöglicht neue Interaktionsformen zwischen der Smart City und ihren Bewohner*innen. Dabei wird auf nutzerfreundliche, alltagserleichternde Technologien besonderer Wert gelegt: Beispielsweise lassen sich per App individuell automatisierte Echtzeit-Horoskope erstellen. Deren professionelle und effektive Integration in das Leben der Nutzer*innen ist durch eine 24/7 Standby-Betreuung durch ein Team von Psycholog*innen, Finanzberater*innen und Philosoph*innen gewährleistet. Durch die symbiotische Verbindung von Wissenschaft und Metaphysik bietet KOSMOTRENDS PLANET eine unabhängige, zeitgemäße Crossover-Alternative für Alle.

LUFTBRÜCKE BERLINER LUFT
KONZEPTBÜRO TÖGGELIKASTEN / ZÜRICH
Schon 1904 wurde in dem Lied Das ist die Berliner Luft dem besonderen Freiheitsgefühl der Stadt gehuldigt und ihre Lebensfreude gefeiert. Auch über 100 Jahre später ist Tatsache: Keine andere Metropole wirkt derartig anziehend auf ihre Besucher*innen und Bewohner*innen. Berlin verzeichnet mehrstellige Zuwachsraten in den Sparten der Technologie, des Immobilienmarktes, der Wirtschafts- und Kulturbranche. Die Übernachtungszahlen im Tourismus, der Zuzug von Neubürger*innen steigen jährlich. Alle wollen nach Berlin. Auf diesen Trend setzt LUFTBRÜCKE, der Entwurf des Konzeptbüros Töggelikasten aus Zürich: Berliner Luft wird in die Welt verschickt. In einem mehrstufigem Prozess wird ein weltweites Airlift System ausgebaut, so dass die gefilterte und komprimierte Ware in alle Großstädten der Welt versandt und dort in Inhalations Studios konsumiert werden kann. Der Berliner Senat tritt dabei als Lizenzgeber für das globale Franchise-System give a sniff auf, die Gewinne fließen dem Bau des Hauptstadtflugplatzes zu, sodass der deutsche Steuerzahler entlastet wird.