Die Ewigkeit und ein Tag
Wenn ich damals als Kind von Erwachsenen gefragt wurde: Wie viel Uhr ist es jetzt?, biss ich in meinen Arm, an der Stelle, wo die Erwachsenen ihre Uhr trugen, schaute auf den runden Fleck (meine Uhr, die keine Zeiger hatte) und antwortete ernsthaft: 2Uhr und 33. Diese Zahlen bedeuteten mir natürlich gar nichts. Es war eine ausgedachte Uhrzeit, damit ich mich mit den Erwachsenen auf ein Niveau setzen und mit ihnen über meine Wahrnehmung von Zeit kommunizieren konnte. In dem Film “Wilde Erdbeeren” von Ingmar Bergman gibt es eine Albtraumszene, wo der alte Isak sowohl auf seiner Uhr, als auch auf der Straßenuhr keine Zeiger mehr sieht. Dies ist aber für ihn wie eine Metapher des Todes. Der Kontrast zwischen diesen beiden Zeitwahrnehmungen (des Kindes und des alten Mannes) brachte mich auf die Idee zu meiner Installation. Auf zwei übereinander stehenden Reihen von Fernsehern werden drei Bilder aus dem Film Bergmans und drei von mir aufgenommene Bilder gezeigt, in denen ein Kind meine Kindheitsaktion wieder inszenierte. Die Bilder werden so erscheinen, als wenn man beim Video auf die Pausetaste gedrückt hätte.

Mein wahres Gesicht
Im Spiegel ließ ich mein Porträt in der Spieglung meiner eigenen Pupillen fotografieren; einmal in der rechten und einmal in der linken. Durch diese zweifache Spiegelung (Im Spiegel und in meinem Auge) soll ein Porträt von mir entstehen, das der Wahrnehmung der anderen von meinem Gesicht entsprechen kann und nicht dem gewöhnlichen Bild, das ich von mir im Spiegel kenne. Die beiden Bilder wurden Schwarz-weiß gedruckt und werden in spezielle sehr tiefe Objektrahmen eingesetzt. Die Arbeit ist noch im Prozess. Am Ende sollen sich auf den glänzenden Oberflächen der schwarz-weißen Bilder die bunten Innenflächen der Rahmen widerspiegeln.

What a wonderful world
Jahresausstellung HfBK Dresden - 2010
Rauminstallation
schwarz-weiß gemalte Bilder und Objekte - Farbige Folien - gesamte Fläche ca. 300 x 500 cm
Selbstbildnis aus Styropor - schwarz-weiß mit Acrylfarbe bemalt - lebensgroß

Als wir in unserer Familie Farbfernsehen bekamen, beklebte mein Onkel seinen Schwarz-Weiß-Fernseher mit bunter Folie, weil er sich keinen Farbfernseher leisten konnte. Somit war die Welt bei ihm zuhause auch bunt. Wenn alte Leute von früher erzählen und die alten Schwarz-Weiß-Fotos hervorholen, kolorieren sie aus ihrer Erinnerung die alten Fotos nach und sagen: schau mal hier, der blaue Himmel! Meine Arbeit zeigt Schwarz-Weiß-Gemälde hinter einer ebensolchen bunten Folie. Davor steht eine schwarz-weiße Skulptur, ein Selbstporträt. Die Gemälde basieren zum Teil auf privaten Fotos. Der Titel der Arbeit ist dem Louis-Armstrong Song “What a wonderful world” entnommen. Die Arbeit zeigt, dass unsere bevorzugte Wahrnehmung der Welt nicht zwingend der Realität entsprechen muss. Die Menschen neigen dazu, die Dinge zu beschönigen, sie farbenfroher zu machen. Dabei kann es zu unfreiwilliger Tragik kommen.

Lass scheinen, lass scheinen die Sonne über Deutschland
Oder sein verborgenes Leben in Deutschland
. Jahresausstellung HfBK Dresden - 2008
. “Du bist Deutschland - Wer bin ich?” - Rheinlandhalle Ehrenfeld - Köln - 2010
20 Objektrahmen, jeweils 36 x 31 x 8 cm
In den ersten 10 Objektrahmen werden 10 Bücher präsentiert. Die ersten neun Bücher sind geschlossen, das letzte ist aufgeschlagen. Auf die Glasscheiben sind Texte gedruckt. Die anderen 10 Objektrahmen beinhalten neun Fotos und die Kopie eines Zeitungsartikels. Die Fotografien zeigen die Bücher aufgeschlagen mit den darin versteckten Gegenständen.

Erste Reihe der Kisten

Er war sowieso ein depressiver Mensch. Das hatte nichts mit dem Ort zu tun, an dem er nun wohnte. Beim ersten Arztbesuch bekam er Tabletten, die den Menschen zum Lachen bringen sollen, weil in Deutschland Depression verboten ist. Die Menschen, die ihm auf der Straße begegneten, sahen ihn nun immer lachen, aber geheilt war er nicht.

Ein bisschen Glück und Chance brauchte er wie alle Menschen auf der Welt. Aber die Deutschen, in einem gleichmäßigeren Klima aufgewachsen, hatten keine rechte Vorstellung von Glück und Chance.

Auf der Suche nach einer Lösung für seine Einsamkeit lernte er alle Spiele die man allein spielen kann. Er suchte auch einen Partner oder eine Partnerin. Aber nicht zum Karten spielen, weil er überhaupt kein guter Kartenspieler war.

Liebevoll wohnten sie miteinander. Aber jedes Mal, wenn er von der Liebe redete, wechselte sie das Thema des Gespräches. In ihren Briefen schrieb sie ihm immer wieder, dass sie ehrlich nicht in ihn verliebt sei. Sie trennten sich auch ganz liebevoll. Er lernte seine Liebe heimlich zu tragen.

Er las in einem chinesischen Buch: Was alle machen, ist nicht unbedingt das Beste. Am Anfang trank er wie die anderen Kaffee. Dann entschloss er sich seinen Teebeutel heimlich zu tragen.

In seiner besten Zeit hatte sein Vater 1000 Euro im Monat verdient. Das war unvergleichlich viel zu den anderen Leuten in seinem Heimatland. Auch Thunfisch ist Vollwertnahrung, aber kein Deutscher würde das Zeug jeden Tag essen wollen.

Kein Diplomarchitekt arbeitete für 5 Euro die Stunde. Also sagte er seinen Freunden, dass er in einem Architekturbüro als Putzmann Arbeit gefunden hätte. Sie freuten sich für ihn.

Die Bücher in seiner Muttersprache las er nur noch heimlich, um nicht ständig erklären zu müssen, dass er überhaupt kein Arabisch versteht.

Die lächerliche Puppe von Gott, mit der er seinen Freunden im Iran immer viel Freude bereitet hatte, zeigte er auch seinen deutschen Freunden. Ihr Lachen blieb aber nur höflich und verhalten. Da merkte er, dass der Glaube hier anscheinend wieder Konjunktur hat.

Letztendlich hatten die deutschen Polizisten auch völlig Recht, wenn sie dachten, dass in den Büchern eines Iraners nur Pistolen versteckt sein können. Sie schauten einfach wie alle Menschen zu viel Fernsehen.

Zweite Reihe der Kisten

Vom Teebeutel bis Pistole?
Was wird noch im verborgenen Leben von S. aufgedeckt werden?
Von Christiane Mühlbauer Gestern Nachmittag wurde in der Nähe vom Dresdner Hauptbahnhof ein Iraner von der Polizei aufgegriffen. Er trug eine Menge Bücher bei sich und gab an, dass er darin etwas versteckt habe. Bei der Durchsuchung wurden in den Büchern ein paar höchst geheimnisvolle und manchmal sinnlose Gegenstände entdeckt. S., der festgenommene Iraner, behauptet, dass sie sein verborgenes Leben in Deutschland darstellen. Dieses sofortige Eingeständnis des Beschuldigten brachte die Beamten beinahe in die Verlegenheit spontan keinen entsprechenden Tathintergrund präsentieren zu können. Man war sich jedoch dann gleich einig. ("Iraner"-und-"verborgenes Leben"- bei wem da nicht die Glocken läuten...)

Er verwendete die Luft, verwendete das Wasser ...
Gruppenausstellung “Es geht geiler”
Rauminstallation
Verschiedene Materialien

Ihm gefielen Grenzen immer am besten
Gruppenausstellung in der Ateliergemeinschaft geh8 - Dresden - 2008
Rauminstallation
Abbildungen von Identitätsausweisen - auf ein Raster von Spanholzplatten aufgezogen - gesamte Fläche jeweils 160 x 280 cm
Waschbecken - Board - Fliesen - Spiegel und Rasierzeug

Sehnsucht des Poeten nach dem richtigen Begriff
Private Präsentation - Düsseldorf - 2010
Raumobjekt
144 gerahmte Fotos - jeweils 10 x 15 cm
Doppelbett 180 x 200 cm

Mach dir keine Sorgen, mir geht’s gut
Jahresausstellung HfBK Dresden - 2007
Rauminstallation
Mehrteilige räumliche Inszenierung
Briefumschlag auf die Wand gemalt - 110 x 160 cm - eine Fotografie aus der Serie “Die Wahrheit” als Briefmarke bearbeitet - 29 x 20 cm
Frei hängender Kubus - verschiedene Materialien 160 x 110 x 110 cm

Tadao Andos Hous
Digitalprint aufs Holz - 30 x 22 cm
1996

Mit 8...