Preisverleihung und Ausstellungseröffnung in der Kunstsammelung der Stadt Limburg - 2016

Schwarz-Rot-Gold

Erste Station : Vater-Land

Border one centimeter
Nationalflaggen der 196 anerkannten Staaten der Welt
Siebdruck auf Zinkplatten je 15 x 20 cm - Gesamtinstallation 223 x 293 x 50 cm - 2015

Vater-Land
Öl auf Leinwand - 220 x 145 cm - 2011

A.F.D.
Öl auf Leinwand - Jeweils 170 x 125 cm - 2016

Kindheit
C-Print - 31 x 31 cm - 2016

Zweite Station : Arier - Paria

In einer Performance während der Eröffnung der Ausstellung wird eine Grenze durch den Raum gezogen, die zur Abschottung eines Teiles des Raumes führt, der mit Arier bezeichnet ist.

Arier - Paria
Bleistift auf Papier - Objektrahmen 80 x 60 cm - 2016

Von Links nach Rechts: Politische Kunst
Öl auf Leinwand - Jeweils 145 x 220 cm - 2015

Fabrik
Objekt - Holz - Räder - 45 x 60 x 40 cm - 2016

Grenze
27 Holzhocker 33 x 34 x 60 cm - Sitzkissen mit der Deutschlandflagge als Motive 33 x 34 cm - 2016

Paria
Rauminstallation - Mixed Media - 2016

Ab-decken
Fotoabzüge der Nationalflagge der G8-Staaten in Negative auf Alu Dibond Platten - Je 40 x 60 cm - 2016

Negativ
In Negativfarben gemalte Fahnen der G8 Staaten
Öl auf Leinwand - je 45 x 60 cm - 2013

Dritte Station: Von der Steinzeit zum goldenem Zeitalter
Stolpern Sie bitte nicht! Es geht aufwärts; während Geschichte nur voranschreitet. Erzählt wird die Geschichte von Oskar Matzerath, dem Blechtrommler. Wo sich seine Spuren verlieren, treten wir in das goldene Zeitalter ein.

Von der Steinzeit zum goldenem Zeitalter
Vergoldeter Pflasterstein - Beton - 12 x 12 x 12 cm - 2016

Von der Steinzeit zum goldenem Zeitalter
Vergoldete US amerikanische Flagge
vergoldeter Gymnastikball
50 Cola-Flaschen besprüht in Gold mit 50 Rosen

we scream for ice cream
Vergoldete Spielkarte aus Gips - 140 x 100 cm - 2011

Vergoldete US amerikanische Flagge
125 x 170 cm - 2016

Die Blechtrommel
Verkohlte Kartoffeln neben in Schwarz und Gold besprühten Kartoffeln - Gips - 2016

Tag der Eintracht
Abflussrohr - rotes Klebeband - Briefmarke, Siebdruck, 3,5 x 3,5 cm - Sprühfarbe - Objektrahmen 60 x 80 cm

Herzsoldat
Spielkarte aus Aluminium
Die Karte ist in 9 Teile zerteilt, die Einzelteile sind jeweils in Munitionskisten verpackt - Munitionskisten jeweils ca. 50 x 60 x 15 cm

Die Blechtrommel
18 Schwarz und Türkis (die Negativfarben vom Weiß und Rot) lackierte Blechtrommeln

Vor-Flucht, Verflucht!

Den diesjährigen Kunstpreis der Stadt Limburg zum Thema „flüchtig“ gewann Saeed Foroghi aus Berlin. Der Künstler folgt der Jury, die bewusst keine inhaltlichen Aussagen zum ausgelobten Thema gemacht hat, und überlässt die Deutungshoheit dem Ausstellungsbesucher. Es erwartet uns also, genauso wie den Künstler selbst, eine Überraschung. Der künstlerische Anteil wird dabei kein leeres Blatt oder leerer Raum sein. Ganz im Gegenteil, Saeed Foroghi lädt in prachtvoll gestaltete Räume ein. Diese sind gleichzeitig ein Drehbuch für eine action, an der wir teilnehmen. Oder besser: teilnehmen können. Ob wir mitmachen oder nicht, ist uns überlassen. Denn es wird hier um die Kunst gehen, die sich selbst als Spiel begreift und daher uneingeschränkte Variationen für den eigenen Ablauf vorsieht. Sie gibt nichts vor, sie will herausfordern. 
„Vor-Flucht, verflucht!“  ist ja ein sprachliches Spiel, das Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit mit Zufälligem und Närrischen zu vermischen wagt. „Vor-Flucht. Verflucht“ oder "Vor der Flucht, verflucht!“ Nicht unähnlich sprach Oskar Mazerath, der Protagonist von Günter Grass' Roman „Blechtrommel“ und das Vorbild des Künstlers. Saeed Foroghi verfremdet die Sprache zusätzlich, um seiner nichtdeutschen Herkunft eine Bühne zu geben, ohne sie dabei zu benennen, ohne ein „anders“ nationales Thema zu erzählen. Vor-Flucht, – verrät Foroghi, – meint einen Zeitpunkt, bevor all das geschah, was wir gerade erleben. Er will seinem Frust Raum geben: „Verdammt! Verflucht! Wir betrachten das Problem nur aus einem Blickwinkel, der uns heute beschäftigt, die Ursachen vergessen wir. Wir müssen einen Schritt zurück machen und schauen, wie Nationalitäten entstehen, wie ein Kind zum Soldaten wachsen kann. Wir müssen Zusammenhänge erkennen, dann begreifen wir die Flucht besser“.
Wir sind gefangen in der Realität. Anders als ein Spielfilm kann sie nicht zurückgespult werden. Doch sie fängt im Kopf an und wenn wir, beim Gang durch die Ausstellung, eine andere Denkweise entwickeln, wird das Spiel in der Wirklichkeit sinnvoll. 

Text: Ljudmila Belkin, Kunsthistorikerin und Migrationsforscherin
Photograph: Mario Süßbrich - Saeed Foroghi